Journal der Alten Music

Giulio Caccini, der Sohn eines römischen Zimmermanns, wurde im Jahr 1551 geboren. Bereits im jugendlichen Alter von vierzehn beorderte ihn Cosimo I. von Medici nach Florenz, um anlässlich der Hochzeit seines Sohnes mit Johanna von Österreich zu singen. Nachdem er in den folgenden Jahren bei verschiedensten Hochzeiten der Mediceer Fürsten als Sänger brilliert hatte, wurde er um 1580 Mitglied der Camerata Fiorentina. Im Kreise von Giovanni Bardi, Vincenzo Galilei, Ottavio Rinuccini und Jacopo Peri war er an der Neuentwicklung der Oper beteiligt – nicht immer ruhmreich, wie seine Intrigen im Umfeld der Uraufführung von Jacopo Peris Euridice zeigen. Auch der Verrat eines Liebesbriefes am Hof der Mediceer endete katastrophal, die Beteiligten fanden einen gewaltsamen Tod. Caccini war nicht nur erfolgreicher Sänger und Komponist, sondern auch ein erstklassiger Gesangslehrer, der einige Mitglieder seiner Familie unterrichtete, aber auch Francesco Rasi, der die Titelrolle in Monteverdis Orfeo erstmals verkörperte. Nicht zuletzt wurde der streitbare Künstler auch als begnadeter Gärtner geschätzt.

Einer Gesangsstunde mit Kompositionen von Caccini, Miniscalchi, Frescobaldi, Trabaci und den Damen Barbara Strozzi und Francesca Caccini, wie sie der in seinem Haus und Garten wegen Streithändel eingesperrte Komponist und Lehrer Caccini gegeben haben könnte, entspricht das musikalische Konzept dieser Aufnahme. Der Sänger und Lautenist Marco Horvath, auch in Indien ausgebildet, ist der Überzeugung, dass seine Aufführung lange vergangener Musik keinen Anspruch auf »richtige« Interpretation besitzt, bestenfalls ein Versuch kompetenter Wiederbelebung sein kann, ohne Unterricht bei den längst verstorbenen Renaissance-Komponisten genommen zu haben. Umso faszinierender erklingt der natürliche Fluss seines Gesanges – er beherrscht die Kunst, Schwieriges leicht erscheinen zu lassen in selten gehörter Perfektion. »Sprezzatura di canto« wurde sie von Caccini im Vorwort seines ersten Buches genannt. Wie er mit höchst kunstvollen Verzierungen melodisch in tieferen Lagen zu keckern, gluckern und lachen vermag, rechtfertigt allemal den Kauf dieser sängerisch einzigartigen CD.

 

Franz Szabo